HÖHLENFORSCHUNG

Höhlen haben schon von jeher Menschen angezogen und fasziniert. Nicht ohne Grund suchten die Urmenschen sie auf, um sich vor Unbilden des Wetters zu schützen und Lager in ihnen zu halten. Die höhlen dienten weiterhin in Kriegs- und Verfolgungszeiten als Unterschlupf. Auch aus kultischen und religiösen Gründen werden Höhlen noch bis in die heutige Zeit aufgesucht.

Seit dem 18. Jahrhundert begannen naturkundlich interessierte Personen sich mit dem Phänomen Höhle etwas näher auseinanderzusetzen. Es wurden erste Knochenfunde aus den Höhlen geborgen, welche auf eine frühe Besiedelung durch den Urmenschen oder auf das Vorkommen prähistorischer Tiere hinwiesen.
Mit dem Ziel, die Höhlensedimente der Thüringer Höhlen auf Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte zu untersuchen, wurde im Jahre 1925 auch unser Vorgängerverein, der Thüringer Höhlenverein e. V., gegründet. Bis zum Jahr 1932 wurden durch die Mitglieder dieses Vereins zahlreiche Grabungen in verschiedenen Höhlen Thüringens durchgeführt, wobei in einigen Objekten zahlreiche Fundstücke geborgen werden konnten. Leider ist aber auch bekannt, dass diese Grabungen nicht immer mit der notwendigen wissenschaftlichen Genauigkeit durchgeführt wurden. Dennoch stellen diese Grabungsergebnisse noch heute ein wichtiges Zeugnis der ur- und frühgeschichtlichen Besiedelung dieses gebietes dar. Genannt seien hier einige Funde aus den Höhlen des Döbritzer Zechsteinriffs (Döbritzer Grotte) und der Gegend um Ranis (Herthahöhle).

Neben diesen ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen wurde aber auch versucht, das Naturerlebnis Höhle der Bevölkerung näher zu bringen. So fanden schon 1668 Führungen in der Baumannshöhle (Harz) statt. In Thüringen wurde im Jahre 1802 die Altensteiner Höhle als erste Schauhöhle öffentlich zugänglich. Im Jahr 1866 wurde in der Barbarossahöhle am Kyffhäuser der Schauhöhlenbetrieb aufgenommen. Als Schauhöhle wurde auch die Tropfsteinhöhle Thal (Kittelsthaler Tropfsteinhöhle) im Jahr 1896 in Betrieb genommen.

Die Höhlenkunde, auch Speläologie genannt, ist heute eine moderne Disziplin. Organisierte Höhlenforscher arbeiten eng mit Wissenschaftlern der verschiedensten Fachrichtungen zusammen. Dabei werden immer wieder neue wissenschaftliche Ergebnisse zum Phänomen Höhle herausgefunden.

Die Höhlenforschung stellt heute eines der letzten großen Abenteuer dar, wobei bei allen Aktivitäten der Höhlenschutz immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen muß.
Die Speläologie führt Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Biologen erforschen die verblüffend interessante arten- und individuenarme Fauna und Flora der Höhlen. Bei diesen Forschungsarbeiten gelingt es immer wieder, neue Tier- und Pflanzenarten in den Höhlen nachzuweisen. Geologen setzen sich mit den Ablagerungen in den Höhlen und dem umgebenden Gestein auseinander und beschäftigen sich mit der Entstehungsgeschichte der Höhlen. Hydrologen erkunden die unterirdischen Wege des Wassers und seiner Besonderheiten. Sie leisten somit einen aktiven Beitrag zum Schutz und Erhaltung dieser lebenswichtigen Grundlage. Paläontologen graben nach Überresten urzeitlicher Tiere und Pflanzen, während Archäologen und Historiker den Spuren menschlicher Besiedelung nachgehen. In neuester zeit beschäftigen sich Mediziner immer öfters mit der lindernden Wirkung des Höhlenklimas auf bestimmte Atemwegserkrankungen.

Der Höhlenforscher der heutigen Zeit setzt sich bewußt mit der Natur auseinander und ist auf die Schonung und Erhaltung unserer Umwelt bedacht. Durch Schulungen und Vorträge erwirbt er Kenntnisse in Teilbereichen der Speläologie (Geologie, Biologie, Hydrologie) und lernt verschiedene Befahrungstechniken (z. B. Einseiltechnik) richtig zu beherrschen.
Mit all diesen Kenntnissen ist er dann in der Lage, in den Höhlen entsprechende wissenschaftliche Bearbeitungen vorzunehmen.
Bei der Erforschung von Höhlen arbeitet man gemeinschaftlich innerhalb einer Gruppe zusammen. Nur so ist es ohne Gefahren möglich, immer wieder neue und wichtige Erkenntnisse über Höhlen herauszufinden. Jeglicher Egoismus und stures Eigendenken sind in der Speläologie völlig fehl am Platze. Diesen Grundsatz sollten alle Höhlenforscher beherzigen.