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Pressemitteilung
zur Entdeckung der Höhle im Blessbergtunnel und den nachfolgenden Reaktionen
Im Rahmen
des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit baut die Bahn AG derzeit im Auftrag
der Bundesregierung unter der Bezeichnung VDE Nr. 8.1 die Neu- und Ausbaustrecke
Nürnberg–Erfurt. Als Fertigstellungsjahr wird 2016/2017 angegeben, der
Blessbergtunnel ist Teil dieses Projekts.
Während die Mitglieder des Thüringer Höhlenverein e.V. mit der Erforschung
der Höhle beschäftigt waren, überschlugen sich, angeregt durch die inzwischen
zahlreichen Pressemeldungen, die Ereignisse.
Die meisten bisherigen Stellungnahmen und Berichte sind leider als unvollständig
bis falsch einzuschätzen.
Zum Ablauf:
Nachdem beim Tunnelvortrieb in Richtung Süden die Fränkische Störung erreicht
war, fanden die Baufirmen ca. 170 m ungestörten Kalk des Unteren Muschelkalks
vor. Am Sonntag, dem 30.3.08 war in der Vortriebsrichtung das erste Loch
zu sehen, das auf einen Karsthohlraum hindeutete. Es zeigte sich ein den
Tunnel von West nach Ost querender Hohlraum, der im Tunnel durch die Sprengung
eingebrochen war. Die sichtbare Gesamtlänge betrug etwa 60 Meter. Der
östliche Abschnitt war etwa 25 Meter lang, führte aber offensichtlich
ebenfalls weiter.
Der Westabschnitt der Höhle konnte durch uns nach der Sicherung des Eingangs
ab Donnerstag, dem 3.4.2008 für kurze Zeit erkundet werden.
Bei der nachfolgenden Erkundung konnten innerhalb von drei Stunden etwa
500 Meter Höhle erkundet werden. Die Hohlraumhöhe beträgt etwa 15 Meter,
die Breite beträgt etwa 3-7 Meter. Von Westen führt ein Höhlenbach ca.
10 bis 20 l/s Wasser zu.
Einschätzung
der entstandenen Situation:
Bereits während der Planungsphase für die Trasse stellten die Thüringer
Höhlenforscher Unterlagen zur Verfügung, die erkennen lassen, dass sich
im Umkreis der Trasse Höhlen mit einer Gesamtlänge von über 3km befinden.
Es stellt sich die Frage, warum diese Informationen nicht genutzt werden.
Der Karst spielt bei diesem und anderen Bauprojekten lediglich die Rolle
eines Risikofaktors. Szenarien, die beachten, dass Karsthöhlen und unterirdische
Fließwege auch Schutzstatus genießen, sind bisher kaum entwickelt.
Im vorliegenden
Fall hätte schneller und besser reagiert werden müssen. Wahrscheinlich
wäre dies sogar billiger für die Bahn AG geworden. Die ersten 500 m³ Beton
und ein Teil des Zeitverzugs hätten auf jeden Fall eingespart werden können
und der Karstwasserweg wäre noch intakt.
Wenn schon
Höhlen nach Thüringer Naturschutzgesetz §18 nur als Biotope geschützt
sind, so sollte man sich doch wenigstens die Mühe machen, dahingehend
die Schutzwürdigkeit zu prüfen.
Die Vorgänge
bestätigen unsere Auffassung, dass der genannte Paragraf zu kurz greift.
Auch der Lebensraum der meist ausschließlich in diesem Zusammenhang genannten
Fledermäuse wird damit nicht wirklich geschützt. Er ist zudem bei der
einseitigen Betrachtungsweise, wie sie auch im MDR Interview des BUND
Landesvorsitzenden Dr. Vogel zum Ausdruck kommt, an die mehr oder weniger
zufällige Beobachtung der Tiere geknüpft.
Während einer am Freitag, den 4.4.08 stattgefundenen Veranstaltung im
Thüringer Landtag zum Thema Biodiversität wurde Minister Sklenar von einem
Anwesenden auf die Höhle hin angesprochen.
Der Minister versuchte in seiner Reaktion, die Zuständigkeit von seinem
Ministerium auf das Bergamt abzuschieben.
Keiner, weder
die zuständige Stellen, noch der BUND haben es bislang für nötig gehalten,
sich ausreichend zu informieren.
Der Thüringer
Höhlenverein e.V. und alle Höhlenforscher Deutschlands erwarten, dass
zukünftig bei solchen Bauprojekten:
- Der Karst
schon während der Planung auch mit seinen Naturschutzaspekten umfassend
beachtet wird.
- Die rechtlichen
Vorgaben zum Schutz der Karstwasserwege voll beachtet werden und eine
umfassende Risikobewertung erfolgt.
- Bei Antreffen
von Karsthöhlen durch Baumaßnahmen die Wahl der Mittel nach einer entsprechenden
Erkundung erfolgt.
- Entdeckte
Hohlräume darüber hinaus – unter Beachtung der Bauerfordernisse – soweit
wie möglich und nötig einer allgemeinen Erforschung zugänglich gemacht
werden.
- Bei Bauarbeiten
im Karst immer eine ökologische Bauüberwachung erfolgt.
Die Höhlenforscher
des Verbandes Deutscher Höhlen- und Karstforscher e.V. und des Thüringer
Höhlenverein e.V. bieten dazu Ihre Unterstützung an.
Wutha-Farnroda,
5.4.2008
für den Thüringer Höhlenverein e.V.:
Rainer Fohlert
Geschäftsführer
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